Montag, 31. Oktober 2016

Burger

Alle Kinder rechnen.
SIE allerdings geht mit ein paar anderen zum Einkaufen.
Mit denen, die nicht so gut rechnen können.
Sie kaufen gefrorene Hackfleischbuletten, weiche Brötchen, Tomaten, Gurken, Ketchup und Majo.
„Heute lernt ihr, wie man Hamburger macht“, erklärt die Sonderpädagogin,
„und dann essen wir die auch alle gemeinsam auf.“
Sie hat eigentlich schon gut gefrühstückt.
Die Brotbox ist auch noch voll.
Und Mama kocht jeden Tag.
Aber Burger geht immer…
In der nächsten Woche machen sie Spaghetti mit Tomaten-Sahne-Soße.
In der übernächsten Woche sagt die Sonderpädagogin fröhlich:
„Heute gehen wir wieder los und kaufen alles ein, was man für Hamburger braucht.
Mal sehen, ob ihr euch noch an alles erinnert!“
Abends steht sie auf der Waage.
„Nee“, sagt Mama, „das kann doch jetzt nicht sein: 47 Kilo, das sind ja schon wieder 3 Kilo mehr!“
Sie zuckt mit den Achseln.
Mit so großen Zahlen hat sie noch nie gerechnet.
Die Geschichte vorgelesen ...

Montag, 24. Oktober 2016

Altpapier

DAS MÄDCHEN braucht einen Praktikumsplatz.
Es möchte ins Schwimmbad.
Die Mutter bereitet sich gut vor:
Recherchiert ein inklusives Arbeitsprojekt in einem englischen Thermalbad.
Formuliert einen Brief an die Schulleitung.
Klärt die Kosten für eine eventuelle Begleitung.
Macht eine Liste mit möglichen Befürchtungen und Gegenargumenten.
Dann ruft sie im Bad an.
Und fängt an zu argumentieren.
Der Badleiter unterbricht sie: „Entschuldigen Sie: Kann Ihre Tochter schwimmen?“
Ja, das kann sie.
„Wunderbar“, sagt der Badleiter, „mehr muss ich nicht wissen. Den Rest finden wir immer gemeinsam mit den Praktikanten heraus. Wir sehen uns dann Montag, am 16., um 8 Uhr.“
„Montag, 16., 8 Uhr“, schreibt die Mutter auf einen Zettel.
Die restlichen Unterlagen wirft sie ins Altpapier.
Die Geschichte vorgelesen ...

Montag, 17. Oktober 2016

Kekse

In der Klasse wird gebacken. Für den Bazar.
Der Schulbegleiter ist heute krank.
„Oh, Gott“, sagt die Lehrerin: Dann darf DAS MÄDCHEN nicht mitbacken.
Es ist schließlich geistig behindert.
Na ja, so schwierig ist das mit dem schon vorbereiteten Teig ja eigentlich nicht.
„Nein, das geht nicht!“,  sagt die Lehrerin.
„Ich könnte helfen“, schlägt die Mutter vor.
„Nein, das geht nicht!“, sagt die Lehrerin. Eltern haben keinen Zutritt.
Also muss das Mädchen nach Hause gehen.
Das Mädchen weint.
Die Mutter weint auch.
Aber sie wischt ihre Tränen weg, stellt sich in die Küche und backt selbst mit dem Mädchen.
Viele schöne Plätzchen.
Das Mädchen ist stolz und nimmt die Kekse am nächsten Tag mit in die Schule.
Die können ja mit auf dem Bazar verkauft werden.
„Nein, das geht nicht“, sagt die Lehrerin. Die sehen etwas anders aus.
Das Mädchen nimmt die Kekse wieder mit nach Hause.
Nachmittags zum Kaffee gibt es jetzt immer selbstgebackene Kekse.
Aber die schmecken nicht mehr gut.
Die Geschichte vorgelesen ...

Montag, 10. Oktober 2016

Grau

Das Papier ist grau. Umweltschutzpapier.
Alle kopieren in der Schule alles auf graues Papier.
SIE kann aber auf grauem Papier nichts erkennen. Sie sieht einfach nicht gut genug. Bei grauem Hintergrund verschwimmen die Kontraste und alles wird zu einem Wortbrei.
„Wir bekommen aber von der Stadt kein anderes Papier“, sagt die Direktorin beim Runden Tisch.
Könnte man vielleicht einmal wenigstens ein bisschen weißes Papier kaufen?
„Nein, dafür haben wir kein Budget. Da weiß ich gar nicht, wie ich das verbuchen soll.“
Aber wenn sie wirklich auf grauem Papier nichts lesen kann?
„Dann soll die Schulbegleitung ihr halt alles vorlesen!“
Der Schulrätin platzt der Kragen: „Ich gehe jetzt ins Schreibwarengeschäft, kaufe eine Packung weißes Kopierpapier und gebe es hier im Sekretariat ab!“
Ab jetzt ist das Papier mit ihren Texten weiß.
Obwohl die Schulrätin gar kein Papier vorbeigebracht hat.
Nur ganz ganz manchmal verirrt sich mal ein grauer Text ins Klassenzimmer.
Aber nach der nächsten Pause ist er meistens wieder weiß.
Die Geschichte vorgelesen ...

Montag, 3. Oktober 2016

Fußball

Er ist in der Fußball-AG angemeldet.
Er spielt schon lange im Dorfverein.
Nun also auch in der Schule.
„Schwierig…“, findet der Sportlehrer und fordert eine Begleitperson.
Also stehen jetzt 7 Kinder, der Sportlehrer und die FSJler in der Halle.
Die Mutter sitzt auf der Tribüne und schaut zu.
Der Sportlehrer erklärt die Übung.
Dann wendet er sich an die FSJlerin: „Und Du kickst mit dem Jungen den Ball hin und her.“
„Ach herrje“, denkt die Mutter.
Der Junge hampelt nur rum.
Drei Nachmittage lang geht das so.
Der Junge hampelt immer mehr rum.
Beim vierten Mal stellt der Sportlehrer rot-weiße Hütchen in der Halle auf.
Der Junge läuft begeistert hinter ihm her und sammelt sie alle wieder ein.
Der Sportlehrer ruft der FSJlerin zu: „Er soll damit aufhören!“
Dann verteilt er die Hütchen neu.
Der Junge sammelt sie alle wieder ein.
Der Sportlehrer brüllt die FSJlerin an: „Aufhören, endlich aufhören!“
Jetzt geht die Mutter in die Halle.
„Lass die Hütchen stehen“, sagt sie zum Jungen. Und die Hütchen bleiben stehen.
Der Sportlehrer ist empört. „Sie untergraben meine Autorität“, sagt er zur Mutter.
„Da gibt es nichts, was untergraben werden könnte“, sagt die Mutter und setzt sich wieder auf die Tribüne.
Die Geschichte vorgelesen ...