Montag, 16. Oktober 2017

Die Lehrprobe

In der Klasse des MÄDCHEN ist Lehrprobe.
Die junge Lehrerin ist ziemlich aufgeregt.  Man hatte ihr gesagt, eine Lehrprobe mit dem Mädchen sei besonders schwer.  Aber sie hatte einfach alle Kinder gebeten, richtig gut mit zu machen. Im Klassenzimmer sitzen heute die Schulleiterin und noch zwei weitere wichtige Menschen. Die  Klasse liest gerade "Die kleine Hexe". Die Lehrerin hat dazu viel vorbereitet: Die Kinder teilen sich in Gruppen auf. Sie schreiben zusammen eine Hexenzeitung. Jede Gruppe macht eine eigene Seite auf einem Plakat. Das Mädchen kann noch nicht viel lesen und schreiben. Also schneidet es die passenden Bilder aus. Dann ist gemeinsame Redaktionssitzung. Die Kinder lesen sich gegenseitig ihre Zeitungsseiten vor. Auch das Mädchen liest zwei Überschriften. Am Ende singen alle zusammen das Hexenlied.
Dann ist die Stunde vorbei. Die wichtigen Menschen sehen ziemlich zufrieden aus. Später werden sie sagen: „Das war vorbildlich, wie wirklich alle Kinder mitgemacht haben!“
Bevor die Lehrerin mit den anderen Erwachsenen aus der Klasse geht, kommt noch eine Schülerin auf sie zu. „Du…“, sagt sie, „können wir jetzt jedes Mal so schönen Deutsch-Unterricht machen?“
Die Geschichte vorgelesen ...

Montag, 9. Oktober 2017

Die Kooperationsklasse

„Kooperationsklasse“ heißt die Klasse, die der JUNGE jetzt besucht.
Die Sonderschulklasse kooperiert mit einer 5. Klasse an der allgemeinen Schule.
Das sei die einzige Möglichkeit für weiteren gemeinsamen Unterricht nach der Grundschule, hatte der Schulrat erklärt.
Neben dem Klassenzimmer gibt es einen sogenannten Differenzierungsraum.
Dort sollen die Kinder mit Behinderung einzeln gefördert werden, immer dann wenn der gemeinsame Unterricht „pädagogisch keinen Sinne macht“.
Der Sonderpädagoge und die Lehrer würden das jeweils situativ entscheiden.
Deshalb könne man vorher auch keine Quote festlegen.
Die Eltern des Jungen hatten schließlich zugestimmt.
Das Schuljahr beginnt mit zwei Kennenlerntagen: Spiele, eine Kletteraktion und gemeinsames Grillen.
Heute bringt der Junge den Stundenplan mit nach Hause.
Die Mutter liest: "Kooperative Stunden sind blau gekennzeichnet“.
Die Mutter schaut sich den Plan genauer an: Alles ist weiß mit schwarzer Schrift gedruckt - ausnahmslos von Montag bis Freitag. Sie wird immer ratloser.
Doch dann entdeckt sie Donnerstag nachmittags von 14 bis 15.30 Uhr ein kleines Sternchen. Im Erklärungstext darunter steht: "Kunst im Wechsel alle 14 Tage mit Musik".
Und das Kästchen um Musik ist blau unterlegt.
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Montag, 2. Oktober 2017

Passt

„Wir suchen mit Ihnen gemeinsam die passende Schule für Ihr Kind“, steht im Flyer des Staatlichen Schulamtes.
Die Eltern wissen genau, welche Schule für DAS MÄDCHEN passt: Die örtliche Grundschule.
Passt, sagt auch die Logopädin, denn das schüchterne Mädchen spricht inzwischen viel mit den Kindern, die es aus dem Kindergarten kennt.
Passt, sagt auch die Ergotherapeutin, denn das Mädchen soll sich viel bewegen und unbedingt zu Fuß zur Schule gehen.
Passt, sagt auch der Kinderarzt. Er kennt das Mädchen schon lange und weiß, welchen großen Anteil das soziale Umfeld an seinen mühsamen Fortschritten hat.
Das Schulamt plant eine inklusive Gruppenlösung drei Ortschaften weiter: Dort ist die Schule willig, die Sonderpädagogik gebündelt und der Bustransport bereits geklärt.
„Passt“, sagt der Schulrat zufrieden und klappt die Akte zu.
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Montag, 25. September 2017

Sprünge

DER JUNGE ist mit seiner großen Schwester im Schwimmbad.
Er kann sehr gut schwimmen, tauchen und springen.
Deshalb sitzt seine Schwester entspannt am Rand des Beckens.
Der Junge springt abwechselnd mit einem Mädchen vom Startblock.
Köpfer und möglichst viel spritzen – sie feuern sich gegenseitig an.
Dann öffnet das Drei-Meter-Brett. Der Junge stellt sich sofort an.
Das Mädchen traut sich nicht recht und geht zurück zu seiner Mutter, die in der Nähe sitzt.
„Kennst du den behinderten Jungen eigentlich?“, fragt die Mutter.
Die Tochter schaut sie mit großen Augen an: „Da war kein behinderter Junge!“
„Doch“, sagt die Mutter, „der mit dem besonderen Gesicht, der so komisch gesprochen hat.“
Das Mädchen guckt immer ratloser.
Die Mutter ist jetzt leicht genervt: „Nun bist du die ganze Zeit mit dem behinderten Jungen ins Wasser gesprungen! Nun sag mir doch einfach, ob du den schon vorher kanntest!“
„Ach, den meinst du“, antwortet das Mädchen, „dann sag doch gleich: Der Junge, der jetzt vom Dreier springt!“
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Montag, 18. September 2017

Zu viel

Das MÄDCHEN braucht sehr viel Hilfe bei allen Alltagsdingen. Immer muss jemand bei ihm sein, auch um auf die ständigen Anfälle zu achten. Die allgemeine Schule sieht sich nicht in der Lage, das Mädchen zu unterrichten. "Nein," sagt die Schulleitung zu den Eltern, „es braucht zu viel Hilfe. Wir können ihm und den anderen Schülern nicht gleichzeitig gerecht werden."

Die Eltern argumentieren: Sie schaffen das doch auch in der Familie. Natürlich sei es anstrengend, aber man könne ja auch zusätzliche Unterstützung beantragen. Aber die Schule bleibt bei der Ablehnung.

Inzwischen besucht das Mädchen die Sonderschule schon im letzten Jahr. Heute ist Elternabend. Alle Eltern sind aufgeregt. Denn die Schule hat eine große Spende erhalten: Eine Woche Urlaub auf einer Ferieninsel: Flug und Aufenthalt - alles umsonst. Die Schulleitung hat beschlossen: Die Klasse des Mädchens darf in den Süden fliegen! Schon nächste Woche geht es los.

Am Ende des Abends nimmt die Schulleiterin die Mutter des Mädchens zur Seite.

"Leider kann Ihre Tochter nicht mitkommen", sagt sie bedauernd. "Sie braucht zu viel Hilfe. Wir können ihr und den anderen Schülern nicht gleichzeitig gerecht werden."

Die Mutter bietet an, selbst mitzukommen oder nach anderen Lösungen zu suchen. Natürlich sei es anstrengend, aber man könne ja auch zusätzliche Unterstützung beantragen. Aber die Schule bleibt bei der Ablehnung. Das Mädchen muss zuhause bleiben.

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Montag, 11. September 2017

Die Fachfrau

DER JUNGE soll in den allgemeinen Kindergarten im Stadtteil gehen. Die Mutter sucht eine Unterstützungskraft. Der Kindergarten hat einen Tipp bekommen: Diese Fachfrau hätten Kollegen empfohlen.
Die Mutter ruft dort an.
„Ja“, sagt die Dame“, ich bin ausgebildete Fachkraft. Ich finde das auch ganz wichtig, dass man sich mit dem Down-Syndrom auskennt.“ Und dann erzählt sie:
Dass Kinder mit Down-Syndrom ja so musikalisch sind, und sie deshalb ganz viel mit Musik mache.
Dass sie bockig sind, aber da helfe nur strenge Konsequenz ohne Ausnahme.
Das sei auch kein Problem, denn die Menschen mit Down-Syndrom könnten ja nicht nachtragend sein, sondern seien seelisch robust und eigentlich ziemlich unkompliziert.
“Auf das sonnige Gemüt Ihres Sohnes freue ich mich schon richtig“, sagt sie zusammenfassend.
„Entschuldigung“, unterbricht die Mutter, „ich suche eigentlich jemanden, der mein Kind erst einmal kennenlernen möchte.“
„Ja, natürlich“, sagt die Dame, „das kann ich auch gerne machen. Lassen Sie uns doch nach einem Termin schauen.“
Die Mutter zögert: „Ich glaube, ich überleg es mir noch mal ...“
„Aber so eine Fachfrau wie mich finden Sie hier in der Gegend nicht leicht!“, hört sie noch die Stimme aus dem Telefon sagen. Dann beendet die Mutter das Gespräch.
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Montag, 4. September 2017

Mobbing

Die Klasse des JUNGEN beschäftigt sich in einem Schulprojekt intensiv mit den Thema Mobbing.
Auch einen Film sehen sie dazu.
Den Jungen beschäftigt das Thema sehr.
Kurze Zeit später kündigt die Lehrerin an, dass bald ein neuer Junge in die Klasse kommt.
Er ist vor kurzem in den Ort gezogen.
Dann ist der Neue den ersten Tag da.
Der Junge mustert ihn genau.
Schließlich geht er zu ihm hin und sagt „Welcome!“
Dieses Wort hat er gerade im Englisch-Unterricht neu gelernt.
Dann legt ihm feierlich die Hand auf den Kopf und sagt:
„Keine Angst. Ich beschütz‘ dich!“
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Montag, 28. August 2017

Die Schulordnung

DAS MÄDCHEN ist jetzt seit drei Monaten ein Schulkind.
Die Umstellung vom Kindergarten fällt ihm nicht leicht.
Wenn es etwas nicht will, schubst es seine Mitschüler oder Lehrerinnen schon mal weg.
Wenn es Streit gibt, boxt es schnell.
Eines Tages bekommen die Eltern Post von der Schule:
Es geht um Verstöße gegen die Schulordnung.
„Ordnungs- und Erziehungsmaßnahme“ steht da, und es wird angedroht, dass das Mädchen bald einen Tag lang nicht zur Schule kommen darf.
Die Eltern gehen zur Direktorin.
„Sie haben doch ihr Kind hier in die Inklusion geschickt, weil Sie wollen, dass es so behandelt wird, wie alle anderen Kinder auch“, sagt sie.
Die Eltern schauen sich an.
Die Direktorin fährt fort: „Und in der Schulordnung steht nun mal: Wir lösen alle Konflikte verbal.“
„Na, ja“, sagt der Vater vorsichtig, „so behandelt werden wie die anderen soll sie schon. Aber nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten.“
„Und sie kann ja noch nicht richtig sprechen“, ergänzt die Mutter.
Das stimmt: Am Anfang der Kindergartenzeit konnte das Mädchen noch gar nichts sagen. Inzwischen hat es schon ein paar Zweiwortsätze gelernt.
„Hm, das ist schwierig“, sagt die Direktorin und lehnt sich zurück: „Für so was sind wir hier nicht ausgebildet!“
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Montag, 21. August 2017

Die Klassenreise

Die Klassenreise steht bevor.
Alle Kinder freuen sich, auch DAS MÄDCHEN.
„Hast du gar keine Angst in einer Seilbahn?“, fragt die Lehrerin und legt die Stirn in Sorgenfalten.
„Hm…“, sagt das Mädchen.
Im Urlaub in den Bergen ist es immer die erste, die in die Gondel springt.
„Und die wilden Karussells im Vergnügungspark. Sind die was für dich?“, fragt die Lehrerin weiter und legt die Hand auf die Schulter des Mädchens.
„Hm…“, sagt das Mädchen.
Es mag die Karussells in der Tat nicht, aber alles Drumherum: Eis essen, das Gekreische der anderen und die bunten Lichter.
„Vier Tage weg von der Mama. Das ist sicherlich nicht einfach für dich“, sagt die Lehrerin.
„Hm…“, sagt das Mädchen.
Es war gerade zwei Wochen alleine in einer Kinderfreizeit.
Zu Hause geht es zu seiner Mutter und sagt: „Ich möchte nicht mit auf die Klassenreise fahren.“
„Tja“, sagt die Lehrerin, „wenn sie das sagt, dann muss man das auch akzeptieren!“
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Montag, 14. August 2017

Förderplanung

Förderplangespräch mit der Sonderpädagogin DES MÄDCHENS.
Diesmal möchte die Mutter besonders über den Entwicklungsstand im Rechnen sprechen.
„Ja, aber wichtig ist mir auch noch, dass Fähigkeiten aus dem lebenspraktischen Bereich zu Hause geübt werden“, sagt die Sonderpädagogin.
„Alltag lebt meine Tochter mit uns ja sowieso jeden Tag“, antwortet die Mutter, „extra Üben ist da nicht notwendig.“
„Oh, sagen Sie das nicht“, entgegnet die Sonderpädagogin, „ich habe festgestellt, dass Ihre Tochter nicht gut spülen und abtrocknen kann!“
Die Mutter ist irritiert: „Wir haben zu Hause eine Spülmaschine. Und die kann meine Tochter genauso gut ein- und ausräumen wie ihre Schwester, die aufs Gymnasium geht.“
„Trotzdem wäre es gut, wenn Sie mit ihr spülen und abtrocknen üben würden“, beharrt die Sonderpädagogin.
Die Mutter schüttelt verständnislos den Kopf. „Aber warum?“, fragt sie.
„Wissen Sie“, erklärt die Sonderpädagogin, „nicht in allen Wohngruppen gibt es Spülmaschinen. Es kann schon sein, dass Ihre Tochter in eine ohne Spülmaschine kommt.“
„Gut“, sagt die Mutter, „dann verpflichten wir uns jetzt schriftlich, auf eigene Kosten eine Spülmaschine in eine Wohngruppe einbauen zu lassen, falls unsere Tochter jemals dort einziehen möchte. In Ordnung? Können wir jetzt bitte über Mathematik sprechen?“
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Montag, 7. August 2017

Mamas Seele

Die Mutter DES JUNGEN ist geschafft.
Heute war einfach alles zu viel.
Die sonderpädagogische Versorgung an der allgemeinen Schule, in die der Junge geht, ist im nächsten Schuljahr wieder mal völlig ungeklärt.
Dann hat sie heute lange mit einer anderen Mutter diskutiert, deren Kind mit Behinderung in einer Sondereinrichtung lebt. Begründung: Es soll nicht den Blicken der Menschen auf der Straße ausgesetzt sein.
Und dann ist abends, als die Mutter sich im Garten etwas entspannen wollte, eine Brombeere beim Pflücken direkt auf ihre helle Hose gefallen.
Nun sitzt sie frustriert am Küchentisch.
Der Junge kommt mit seinem Kinder-Arztkoffer. Er will helfen: Er guckt der Mutter in die Ohren, horcht sie ab und prüft mit dem Hammer die Reflexe.
Er findet nichts. „Wo bist du denn krank?“, fragt er die Mutter.
„Nicht am Körper, Schatz“, sagt die Mutter, „ein bisschen an der Seele.“
Da holt der Junge ein großes Pflaster aus der Küchenschublade, geht damit zur Mutter und klebt es ihr mitten auf den Bauch.
„Da sitzt Mama Seele?“, fragt der Vater lachend, als er in die Küche kommt, „bist du sicher?“
„Ja!“, sagt der Junge entschieden.
Am nächsten Morgen geht es der Mutter wieder deutlich besser.

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Montag, 31. Juli 2017

Bedingungen

Der Vater DES JUNGEN sitzt verzweifelt im Büro des Kindergarten-Trägers.
„Warum wird mein Sohn nicht aufgenommen?“, fragt er. „Er braucht doch nur einen Rollstuhl. Und hier gibt es noch nicht einmal Treppen. Sie schreiben im Internet: Wir sind eine inklusive Einrichtung. Jedes Kind ist willkommen. Und jetzt lese ich hier: „Fehlende Rahmenbedingungen!“
Er zieht das Schreiben des Trägers aus der Tasche.
Der Verwaltungsleiter nickt verständnisvoll.
„Ich hatte eben schon versucht, es Ihnen zu erklären: Die Stadt verlangt, dass wir auch behinderte Kinder nehmen. Dann wird die Gruppe zwar verkleinert. Aber natürlich wollen wir so viel Hilfe, wie wir bekommen können. Darum: Gehen Sie noch einmal zum Sozialamt. Sie dürfen da gerne ein bisschen übertreiben. Jammern Sie ruhig, wie wenig Ihr Sohn kann! Sagen Sie, 3 x 2 Stunden, wie jetzt schon bewilligt, sind zu wenig. Sie brauchen jemanden, der ihren Sohn durchgehend unterstützt.“
Dann steht der Verwaltungsleiter auf und schüttelt dem Vater zum Abschied die Hand:
„Und wenn Sie die Bewilligung der 1:1-Betreuung haben, dann kommen Sie wieder. Dann nehmen wir Ihren Sohn sehr gerne!“

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Montag, 24. Juli 2017

Prognosen

Die Mutter bekommt ein kleines Video per whatsapp geschickt.
Direkt von der Abschlussfahrt DES JUNGEN.
Zu sehen ist eine hohe Brücke über einem rauschenden Fluss.
Unter der Brücke hängen in gut zwanzig Meter Höhe an Seilen viele bunte Punkte, die sich bewegen.
Es sind, gut gesichert und mit Helm, die Kinder der Klasse. Ganz rechts der lila Punkt ist der Junge.
Adventure-Tour als Vorbereitung auf einen neuen Lebensabschnitt. Viel Action, viel Outdoor, Erlebnispädagogik.
Die Mutter denkt zurück:
An den Gynäkologen, der dem Jungen wegen seines Herzfehlers das Leben und Leiden ersparen wollte.
An die Nachbarn, die prophezeiten, ein behindertes Kind würde die Ehe zerstören und sei doch auch furchtbar für den älteren Bruder.
An die Kindergartenleiterin, die den lange zugesagten Platz über Nacht kündigte, weil der Junge mit drei Jahren noch nicht alleine laufen konnte.
An den Grundschullehrer, der sich für überfordert erklärte, den Jungen in die Fußball-AG aufzunehmen.
Dann lässt sie das Handy sinken.
Wer es da hoch schafft, der schafft es auch noch viel weiter.  Da ist sie sich ganz sicher.
Und ist für ein paar Momente einfach nur glücklich und stolz.
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Montag, 17. Juli 2017

Die Anmeldung

Dieses Jahr wird DAS MÄDCHEN eingeschult.
Es freut sich schon sehr, auch auf den Anmeldetag an der Grundschule.
Die Schulleiterin erzählt von der Theater-AG, von den tollen Ausflügen…
Dann gilt es, einen Stapel Formulare auszufüllen.
Als die Eltern des Mädchens die Formulare bei der Schulleiterin abgeben, erzählen sie von der Diabeteserkrankung ihrer Tochter und wie gut sie damit schon alleine zurechtkommt. Dass sie selbst auf ihr Essen achtet und den Blutzucker misst. Nur beim Ablesen der Werte braucht sie noch Hilfe.
Die Schulleiterin sieht von Satz zu Satz entsetzter aus: „Ach, das arme Kind!“, sagt sie, „wie schrecklich und alles so schrecklich kompliziert!“
„Naja“, entgegnet der Vater, „so kompliziert ist es nicht. Bald kann sie alles alleine. Bis dahin können wir auch einen Pflegedienst beauftragen, der für die Insulingabe, die Essensberechnung und das Blutzuckermessen verantwortlich ist.“
„Aber gibt es nicht auch so etwas wie einen Zuckerschock?“ Die Schulleiterin ist kein bisschen beruhigt.
„Ja, den gibt es, kommt aber im Normalfall nicht vor“, schaltet sich die Mutter ein, „das erklären wir den Lehrern ganz genau. Dafür gibt es klare Notfallanweisungen. Damit ist der Kindergarten auch sehr gut zurechtgekommen.“
Die Schulleiterin schüttelt den Kopf und schiebt den Eltern den Formularstapel wieder zurück: „Nein“, sagt sie energisch, „so etwas will ich an meiner Schule nicht! Dafür gibt es Sonderschulen für Kinder mit Körperbehinderung. Melden Sie Ihre Tochter bitte dort an. Da ist die arme Kleine genau am richtigen Platz!“
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Montag, 10. Juli 2017

Die Kerzenleuchter

DER JUNGE ist Messdiener.
Bislang hat er immer nur die Kollekte einsammeln dürfen.
Jetzt ist es Zeit für neue Aufgaben.
Je ein Messdiener mit großen Kerzenleuchtern in der Hand steht immer rechts und links vom Pfarrer, wenn der das Evangelium vorliest.
Wird der Junge das hinbekommen?
Was passiert, wenn ihm der Leuchter zu schwer wird? Wenn doch einmal Wachs auf seine Hand tropft, was er gar nicht mag?
Die Leiter der Messdienergruppe haben eine Idee:
Einer der älteren Messdiener stellt sich einfach neben den Jungen, um ihm im Falle eines Falles den Kerzenleuchter abzunehmen.
Und damit das nicht irgendwie komisch aussieht, stehen heute auf der anderen Seite neben dem Pfarrer auch mal zwei Ministranten.
Alles klappt prima. Erst ganz am Ende des Evangeliums gibt der Junge seinen Leuchter dem Messdiener neben ihm.
Nach dem Gottesdienst ist er sehr stolz und zufrieden.
Ob wohl jemandem etwas aufgefallen ist, fragt sich die Mutter.
Vor der Kirche wird sie von einer älteren Dame angesprochen.
„Schön war’s heute“, sagt sie, „und so besonders feierlich!“
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Montag, 3. Juli 2017

Glück

Die Sonderpädagogin kommt einmal in der Woche.
Jeden Donnerstag, drei Schulstunden lang.
Dann muss DER JUNGE immer ganz ordentlich auf seinem Spezialstuhl sitzen.
Das hasst er, genauso wie er diesen Stuhl hasst.
Oft geht sie mit ihm raus, damit er feinmotorische Übungen macht.
Er würde lieber mit den anderen Kopfrechnen üben. Das kann er richtig gut.
Einmal sollte er sich vor die Klasse stellen und von seiner Behinderung erzählen.
Das wollte er aber nicht.
Heute ist wieder Donnerstag.
Die Sonderpädagogin kann heute nicht.
Sie muss zum pädagogischen Tag ihrer Schule.
Die anderen Kinder umringen ihn aufgeregt.
„Heute ist Dein Glückstag“, sagen sie.
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Montag, 26. Juni 2017

Schulpflicht

Jedes Jahr vor den Sommerferien verschickt die Schulleitung ein Rundschreiben.
Darin steht:
Eltern dürfen die Ferien nicht eigenmächtig verlängern.
Bei einem Verstoß ist die Schule gezwungen, ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten.
In Extremfällen kann die Verletzung der Schulpflicht sogar mit Freiheitsstrafe geahndet werden.
DER JUNGE darf jetzt schon seit sechs Wochen nicht mehr in die Schule gehen.
Der Integrationshelfer ist ausgefallen.
Die Eltern suchen verzweifelt nach einer Lösung.
"Nein", sagt der Schulleiter, "der eigene Vater als Krankheitsvertretung, das geht natürlich nicht."
"Nein“, sagt der Sonderpädagoge, "wir können da nicht aushelfen, die Sonderschule hat keine Ressourcen, und ohne Begleitung kann das Kind den Unterricht eben nicht besuchen."
"Nein", sagt der Vertreter des Anbieters für Schulbegleitungen, "wir suchen ja, aber eine Krankheitsvertretung steht leider nicht zur Verfügung."
"Nein“, sagt die Mitarbeiterin des Sozialamts, "wir können da nichts machen. Das ist Aufgabe des Anbieters. Wir zahlen nur."
" Nein“, sagt das Schulamt,  "das ist eine schwierige Situation, lauter Sachzwänge... Wir wollen uns da nicht zu sehr einmischen."
Das Rundschreiben haben die Eltern des Jungen in der Küche an die Pinnwand geheftet.
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Montag, 19. Juni 2017

Projekte

DAS MÄDCHEN ist in der ersten Klasse. Es hat andere Lernziele als die Grundschulkinder. Schulleiter, Klassenlehrerin, Eltern und Sonderpädagogin treffen sich zur Planungsrunde.
Der Start ist gelungen. Da sind sich alle einig. Die Klassenlehrerin wünscht sich mehr Unterstützung beim Anpassen des Lernstoffes für das Mädchen. „In Deutsch zum Beispiel…“ setzt sie an.
Die Sonderpädagogin unterbricht sie: „Da muss ich ein wenig die Erwartungen bremsen…“, sagt sie.
Und dann holt sie aus: Sie freut sich, als Fachfrau die Schule zu begleiten. Natürlich wäre es gut, wenn es mehr als nur 4 Stunden seien. Da müsse sie nun einmal Schwerpunkte setzen. Es gebe ja so viele tolle Projekte, die eine inklusive Beschulung unterstützen. Und dann zählt sie auf:
„Ich plane ein Anti-Mobbing-Projekt für die Klasse, damit das Mädchen niemals zum Mobbingopfer wird. Parallel dazu bereite ich ein Kunstprojekt vor, bei dem das Mädchen seine kreativen Potentiale entfalten kann. Und dann informiere ich mich gerade über ein Sportprojekt, bei dem die sozialen Fähigkeiten der Mitschüler gesteigert werden.“
Die Klassenlehrerin murmelt noch etwas von „Mathematik“, aber da hat die Sonderpädagogin schon energisch gesagt: „Mehr geht jetzt wirklich nicht!“
Bei der Verabschiedung drückt der Schulleiter den Eltern fest die Hand. „Kriegen wir schon irgendwie hin…“, sagt er leise und seufzt.

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Montag, 12. Juni 2017

Große Schwester

Die große Schwester DES JUNGEN geht bald in die weiterführende Schule.
Aber wo? Gemeinsam mit ihrer Mutter stellt sie sich bei einer Privatschule vor.
Der Direktor führt das Gespräch mit ihr.
Er ist sehr nett.
Die Mutter hört nur zu.
Nachdem es um Lieblingsfächer und Hobbys gegangen ist, fragt der Direktor, ob das Mädchen etwas von zu Hause erzählen möchte.
Sie erzählt von ihren Eltern und von ihrem Bruder.
„Der ist etwas anders…“, sagt sie.
„Der ist auch in meiner Schule, aber…“
Sie stockt.
„Der hat…“, fängt sie noch mal an und guckt hilfesuchend zu ihrer Mutter.
„Du weißt doch, wie das heißt“, sagt die Mutter.
„Na ja“, versucht das das Mädchen zu erklären, „der hat…
der hat Inklusion!“
Der Direktor lächelt.
„Das finde ich super!“, sagt er.

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Montag, 5. Juni 2017

Die Geburtstagsfeier

Die Mutter ist eingeladen.
Ein Bekannter aus dem Tennisclub wird 50.
Das ganze Haus ist voll. In jedem Zimmer sitzt ein schwatzendes Grüppchen.
Die Mutter kennt nur wenige Gäste. Ein bisschen unschlüssig steht sie da mit ihrem Glas in der Hand.
Im Stimmengewirr hört sie dies: „Und dann hab ich zu den Eltern gesagt: Sie können ganz beruhigt sein. Wenn das hier nichts wird an der Grundschule, kann Ihr Kind jederzeit wieder zu uns an die Sonderschule wechseln.“
Die Mutter horcht auf. Die Stimmen kommen aus dem Nebenzimmer.
„Immer wieder erzähle ich den Eltern im Förderplangespräch“, hört sie weiter, „was an der Sonderschule alles geboten wird. Aber die wollen das noch nicht einmal hören“, empört sich ein anderer. Das Ende des Satzes geht im Gegrummel  der anderen unter.
„Und jedes Mal, wenn ich im Auto sitze und zur Schule fahre“, sagt eine weibliche Stimme jetzt noch etwas lauter, „denke ich darüber nach, wie ich es bloß schaffe, die Eltern davon zu überzeugen, ihre Tochter doch an die Sonderschule zu geben.“
Es ist die Sonderpädagogin DES MÄDCHENS.
Jetzt hat der Gastgeber die Mutter entdeckt. „Na, dann will ich dich mal den Kollegen meiner Frau vorstellen“, sagt er fröhlich und zieht sie in den Raum. Vier Frauen und ein Mann sitzen am Couchtisch.
„Hallo“, sagt die Mutter.
„Hallo“, sagen die anderen, auch die Sonderpädagogin des Mädchens.
Danach springt sie auf und sagt aufgekratzt: „Na, dann will ich mir doch noch mal was von der leckeren Erdbeer-Bowle holen!“

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Montag, 29. Mai 2017

Die Lehrerin

Der Lehrerin geht es heute gar nicht gut.
Schon morgens hatte sie Migräne und ihr war leicht schwindelig.
Trotzdem ist sie in die Schule gekommen.
Leider hat die Klasse keine Rücksicht auf ihren Zustand genommen.
Wieder einmal ging es drunter und drüber.
Irgendwann hatte sie keine Kraft mehr und musste mal kurz rausgehen.
Sie setzt sich auf die Fensterbank im Flur, hält sich den Kopf und atmet tief durch.
DER JUNGE ist mit seiner Klasse, der Parallelklasse, im Gebäude unterwegs.
Sie müssen in einen Fachraum wechseln.
Die Lehrerin kennt er nur vom Sehen.
Als er jetzt an ihr vorbei kommt, bleibt er stehen.
Er schaut ihr tief in die Augen, nickt einmal kurz und sagt dann feierlich:
„Du bist sehr schön!“
Dann geht er weiter.
Hinter seinen Klassenkameraden her in den Fachraum.

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Montag, 22. Mai 2017

Auf dem Klo

Sich den Po abzuwischen ist gar nicht so leicht für DAS MÄDCHEN.
Die Mutter übt es immer wieder mit ihm zu Hause. Mit Feuchttüchern geht das schließlich ganz gut.
Die Mutter gibt die Feuchttücher auch mit in die Schule.
Denn dort fehlt auf den Klos meist das Papier. Oder die Rolle liegt schmutzig auf dem Boden.
Die Schulbegleiterin hilft dem Mädchen.
Als es fertig ist, soll es das Feuchttuch ins Klo werfen.
Denn einen Mülleimer gibt es in der Kabine nicht.
„Nein“, ruft das Mädchen und erklärt, was es zu Hause gelernt hat:
Es soll das Tuch in eine kleine Tüte stecken. Und die Tüte dann im Vorraum in den Papierkorb werfen. Auch Tüten hat die Mutter mitgegeben.
„Ich werfe bei mir zu Hause Feuchttücher immer ins Klo“, sagt die Schulbegleiterin.
Doch das Mädchen schüttelt noch einmal den Kopf. „Das geht gar nicht“, sagt es bestimmt.
Die Schulbegleiterin gibt nach.
Anschließend ist sie den ganzen Vormittag eingeschnappt.
Auch das Mädchen ist sauer.
Die Mutter allerdings ist stolz auf das Mädchen, als sie die Geschichte hört.
Bis sie den nächsten Förderplan liest.
„Sauberkeitserziehung noch nicht abgeschlossen“, steht da.

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Montag, 15. Mai 2017

Das neue Konzept

„Wir haben ein ganz neues Konzept für Inklusion ab Klasse 5“, sagt der Schulleiter stolz.
Das Schuljahr beginnt mit einer Feierstunde.
DER JUNGE kommt ins Schulgebäude und sieht, wie der Schulleiter und die Sonderpädagogin die Kinder begrüßen.
Sie schicken die Kinder links in die Mensa.
Ein Mädchen schicken sie allerdings rechts in ein Klassenzimmer.
Das mit dem Sortieren kennt der Junge aus dem Sportunterricht: links die Jungs, rechts die Mädchen.
Also geht er hinter den Jungs in die Mensa.
Aber der Schulleiter und die Sonderpädagogin laufen ihm schnell nach, haken ihn ein und bugsieren ihn auch in das Klassenzimmer.
Dort soll er erst einmal „ankommen“.
Nach einer Weile darf er dann auch in die Mensa. Gemeinsam mit der Sonderpädagogin und vier anderen Kindern sitzt er auf reservierten Plätzen in der ersten Reihe.
Die anderen Schüler sitzen in langen Stuhlreihen auf der Bühne. Der Schulleiter steigt schwungvoll die Stufen hoch, wendet sich an die Schüler und sagt: „Willkommen an unserer Hauptschule! Ihr seid heute die Hauptpersonen!“
Dann kommt der Chor. Er stellt sich direkt vor den Stuhlreihen auf und singt den Kindern ein Begrüßungslied.
Der Schulleiter sitzt inzwischen wieder in der ersten Reihe neben der Sonderpädagogin, dem Jungen und den vier anderen Kindern und findet:
Das mit dem neuen Konzept hat heute schon ganz gut geklappt!
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Montag, 8. Mai 2017

Streit

Auf dem Weg zur Schule hat DER JUNGE Streit mit einem anderen Jungen.
Er sagt einige hässliche Schimpfwörter.
Der andere ist kleiner und weiß nicht, was er machen soll.
Eine ältere Dame mischt sich ein: „Lass den Kleinen mal in Ruhe“, sagt sie zum Jungen.
„Sie sind nicht meine Mutter! Sie haben mir gar nichts zu sagen“, antwortet der.
„Früher hätt’s das nicht gegeben“, murmelt die Frau und geht weg.
Der kleine Junge ruft mit dem Handy seinen Vater an.
Es dauert nicht lange, da fährt der Vater energisch mit dem Auto vor.
Die Polizei hat er auch schon benachrichtigt.
Die fährt mit Blaulicht vor.
Worum es bei dem Streit eigentlich ging, lässt sich nicht mehr wirklich rekonstruieren.
Der Junge sitzt eingeschüchtert auf der Bank und schweigt.
„Da müssen Sie aber jetzt auf jeden Fall die Anstalt anrufen, aus der der Junge ausgebrochen ist“, sagt der Vater zum Polizisten.
Der Polizist geht auf den Jungen zu.
„Sag mal, Dich kenn ich doch. Du bist doch auch immer beim Fußballtraining der Jugendmannschaft, oder?“, fragt er.
Der Junge nickt.
Ungefragt nennt er seine Adresse.
„Ok“, sagt der Polizist, „dann fahre ich Dich jetzt mal nach Hause!“

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Montag, 1. Mai 2017

Anstrengend

„Hast Du Dein Mäppchen eingepackt?“, fragt die Lehrerin DAS MÄDCHEN.
Das Mädchen nickt.
„Und wo sind die Zettel mit den Rechenaufgaben für zu Hause?“
Das Mädchen macht den Ranzen noch einmal auf, wühlt und findet die Zettel, die es schon eingepackt hatte.
„Vergiss ja Deine Jacke nicht“, ermahnt die Lehrerin. „Wo ist die eigentlich?“
Das Mädchen hatte sie schon längst in den Ranzen gestopft.
Jetzt läuft es schnell aus der Klasse und nach Hause.
„Und, wie war’s heute?“, fragt die Mutter.
Das Mädchen stöhnt: „Anstrengend!“
Die Mutter zuckt ein bisschen zusammen. Ist die allgemeine Schule vielleicht doch viel zu anstrengend für das Mädchen, wie so viele gewarnt hatten?
Dann fragt sie noch einmal nach:
„Was war denn heute so anstrengend?“
„Lehrerin“, sagt das Mädchen schnell. Dann verschwindet es in seinem Zimmer und macht sich eine CD mit Kinderliedern an.

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Montag, 24. April 2017

Hausschuhe

Der Träger der Behindertenhilfe feiert.
Am Ortsrand, zwischen Einkaufszentrum und Gewerbegebiet, ist eine neue Zweigstelle entstanden.
Es gibt dort eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung, ein Wohnheim und Appartements für betreutes Wohnen.
Die Eltern DES MÄDCHENS nutzen den Tag der Offenen Tür, um sich den Komplex genauer anzuschauen.
Die Werkstatträume sind modern und hell mit großen Fenstern.
Es gibt eine Cafeteria und einen Hof mit Blumenwiese und Gartenbänken hinter dem Haus.
„Super, nicht wahr?“ Die Mitarbeiterin, die die Eltern herumführt, ist begeistert: „Und schauen Sie sich das hier an: Der Ausgang des Wohngebäudes und der Eingang zur Werkstatt sind nur ein paar Meter auseinander. Wir müssen nur noch ein Glasdach über den Weg bauen, dann können die Bewohner in Hausschuhen zu ihrem Arbeitsplatz kommen. Ist das nicht wunderbar für Ihre Tochter, wenn sie erwachsen ist?“
Die Eltern sagen erst einmal nichts.
„Unsere Tochter wird sicherlich später viel Hilfe brauchen“, sagt die Mutter schließlich, „aber wir möchten, dass sie mehr von der Welt sehen darf als nur das, was man mit Hausschuhen erreichen kann.“
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Montag, 17. April 2017

Oma

DER JUNGE geht in den Kindergarten im Ort.
Alleine gehen kann er aber nicht. Er geht mit seinem Gehwagen.
„Walker“ sagen die Erwachsenen dazu.
Im Kindergarten hat er viele Freunde.
Auch im Kindergottesdienst ist er mitten drin.
Mit seinem Gehwagen kommt er überall in der Kirche hin.
Dabei trifft er einen Kindergartenfreund und dessen Oma.
Die alte Dame mustert ihn.
Dann dreht sie sich zu ihrem Enkel um und sagt:
„Ah, der Bub ist also behindert!“
Ihr Enkel schaut sie entrüstet an:
„Nein, Oma, der ist nicht behindert! Der kann nicht laufen.“
Die Geschichte vorgelesen ...

Montag, 10. April 2017

Alle

Die Mutter holt DEN JUNGEN von der Schule ab.
Als erstes stürmt einer der Mitschüler aus der Klasse und ruft laut:
„Die Inklusionskinder nerven total!“
Die Mutter spricht ihn an:
„Und die anderen Kinder, nerven die nicht?“
„Doch, auch…“, räumt der Junge ein.
„Wer denn?“, möchte die Mutter wissen.
„Paul ist oft gemein, Hannah quatscht die ganze Zeit und Eric war heute voll fies…“, zählt der Junge auf.
„Und warum sagt du dann, die Inklusionskinder nerven total“, fragt die Mutter.
Der Junge zuckt mit den Achseln:
„Für die anderen zusammen weiß ich kein Wort!
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Montag, 3. April 2017

Über die Straße

DER JUNGE fährt mit dem Linienbus zur Schule.
Den Weg dorthin übt er seit einiger Zeit zusammen mit seiner Mutter.
Einmal muss er über die Straße gehen.
Das ist wegen der vielen Autos nicht ganz ungefährlich.
Die Mutter hat lange überlegt, wo es wohl am besten ist:
Vor der Kurve, direkt hinter der Kurve, noch ein Stück weiter, wo man alles besser einsehen kann…
Heute beschließt der Junge spontan: Er geht ab jetzt alleine zum Bus!
„Ich schon groß!“, sagt er entschlossen, schnappt sich seine Schulsachen und geht aus der Tür.
Die Mutter springt hinterher. Sie will schon rufen, doch da sieht sie, was der Junge macht:
Vorsichtig nach links und rechts guckend geht er direkt vor dem Haus auf die andere Straßenseite.
Von da aus ist der Weg zum Bus zwar ein bisschen länger,  aber eine Straße muss er jetzt nicht mehr überqueren.
Die Mutter macht die Tür hinter sich zu, schenkt einen Kaffee ein und fragt sich:
Und warum bin ich nicht darauf gekommen?
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Montag, 27. März 2017

Der Ausstieg

Es war ein langer Tag. DER JUNGE im Rollstuhl ist mit seiner Mutter und der kleinen Schwester im Zug auf dem Weg nach Hause.
Da ertönt eine Ansage: „Im nächsten Bahnhof ist die Personenbeförderungsanlage defekt. Der Ausstieg für Fahrgäste im Rollstuhl ist deshalb leider nicht möglich…“
„Da kann man nichts machen“, erklärt der Schaffner der Mutter noch einmal persönlich: „Wir haben den Mobilitätsservice schon benachrichtigt und die Mitarbeiter von der Ausstiegshilfe zum nächsten Bahnhof umbestellt. Von dort aus haben Sie dann 45 Minuten später Anschluss mit einem Niederflurbus in Ihren Ort.“
„Aber das dauert Stunden. Und die Kinder sind schon todmüde! Kann uns nicht jemand beim Aussteigen helfen? Mein Sohn wiegt keine 40 Kilo, und der Rollstuhl ist auch nicht schwer“, bittet die Mutter.
„Nein, das geht nicht“, sagt der Schaffner. Der Zug rollt langsamer. Gleich wird er den Heimatort des Jungen erreichen.
Zwei junge Männer schalten sich ein: „Wir können Ihnen helfen, wir steigen hier sowieso aus.“ Die Mutter seufzt erleichtert.
„Nein, das geht nicht“, wiederholt der Schaffner etwas lauter, „wenn der Mobilitätsservice nicht da ist, darf der Rollstuhl nicht aussteigen!“ Dann läuft er wütend ins Schaffnerabteil.
Als der Zug hält, heben die beiden Männer nach Anweisung der Mutter den Jungen und seinen Rollstuhl aus dem Zug.
Über den Bahnsteig scheppert dazu die laute Stimme des Schaffners aus einem Lautsprecher: „Das Aussteigen des Rollstuhls ist hier verboten! Das Aussteigen des Rollstuhls ist hier verboten. Das Aussteigen…“
Die kleine Schwester fängt an zu weinen. Schluchzend sagt sie zur Mutter und den Männern: „Aber das ist kein Rollstuhl, der hier aussteigt. Das ist mein Bruder!“

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Dienstag, 21. März 2017

Schnuppern (zum Welt-DS-Tag)

Heute ist Schnuppertag im Kindergarten.
Die Mutter ist glücklich, denn es ist eine inklusive Einrichtung.
Schon einige Kinder mit Down-Syndrom waren dort.
Fotos von ihnen hängen eingerahmt im Flur. Lachende lustige Kinder.
Auch DAS MÄDCHEN ist mit dem Down-Syndrom geboren worden.
Die Erzieherin nimmt es freundlich in Empfang. Die Mutter geht nach Hause.
Als sie mittags wieder kommt, sitzt das Mädchen mit einem Stück Knete in der Hand in einer Ecke.
Die Erzieherin schaut nicht mehr ganz so freundlich.
Sie erzählt: Das Mädchen sei ja sehr still. Sehr misstrauisch. Habe nichts mitmachen wollen. Habe um sich geschlagen, als die anderen es in den Kreis holen wollten. Habe schließlich ganz allein für sich gemalt. Allerdings nur Krickelkrackel. Und gelächelt: kein einziges Mal.
Die Mutter nickt. Sie kennt ihre Tochter schließlich gut.
„Wir haben uns hier eigentlich bei der Inklusion auf Kinder mit Down-Syndrom spezialisiert“, sagt die Erzieherin, „weil die immer so reizend sind. Aber ich spreche mal mit dem Team.  Vielleicht können wir bei Ihrer Tochter auch mal eine Ausnahme machen.“
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Montag, 20. März 2017

Raus

Und raus jetzt!
Widerwillig rollt er dann immer aus dem Klassenzimmer in den Raum, der „Differenzierungsraum“ heißt. Manchmal heißt er auch „Inklusionsraum“.
„Ich will hierbleiben bei meinen Freunden“, sagt er heute.
„Aber im kleinen Raum kannst Du Dich viel besser konzentrieren“, sagt die Sonderpädagogin,
„hier ist es viel zu laut für Dich!“
 „Mir ist es nicht zu laut“, murmelt er und bleibt einfach sitzen.
 Zwischen all den fröhlich schwatzenden Kindern.
„Aber ICH kann mich hier nicht konzentrieren!“, ruft die Sonderpädagogin laut.
Er rollt mit den Augen.
Und stellt die Bremse an seinem Rollstuhl noch ein bisschen fester.

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Montag, 13. März 2017

Götter

Es regnet wie aus Kübeln.
Die Mutter holt DEN JUNGEN ausnahmsweise mit dem Auto ab.
An der Bushaltestelle stehen drei nasse Mädchen aus einer anderen Klasse.
Eines der Mädchen war mit dem Jungen vier Jahre lang in einer Grundschulklasse.
Die Mutter hält an und fragt: „Wollt ihr mitfahren?“
Sie wollen gerne und quetschen sich ins Auto.
Dem Jungen gefällt das nicht. Anders als sonst ist es im Auto jetzt voll und laut.
„Die Götter zürnen!“, sagt er schließlich ernst und sehr feierlich.
Zwei Mädchen schauen ihn irritiert an.
Das Mädchen aus seiner Grundschulklasse lacht und sagt:
„Ach, Du immer mit Deinen Göttern! Die haben sich doch früher auch immer schnell wieder beruhigt, oder?“
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Montag, 6. März 2017

Schreibschrift

Alle Kinder üben Schreibschrift.
Nur DAS MÄDCHEN nicht.
„Das lernst Du nie!“, davon ist die Lehrerin überzeugt.
Sie schickt das Mädchen mit der Schulbegleitung raus, um zu puzzeln.
Die Mutter aber möchte, dass das Mädchen alles lernen darf.
Zumindest versuchen.
Also setzt sie sich zu Hause mit dem Mädchen hin und schreibt.
Tag für Tag.
Das Mädchen zeichnet ohnehin gerne und gut.
Jetzt bekommt es so langsam auch Spaß am Schreiben.
Es schreibt immer besser und immer mehr.
Seine Werke bringt es stolz mit in die Schule.
Dort schreiben wieder einmal alle Kinder.
Nur das Mädchen nicht.
„Das kannst Du doch schon so gut“, sagt die Lehrerin,
„das brauchst Du ja jetzt nicht mehr zu üben.“
Und dann schickt sie das Mädchen wieder raus. Zum Puzzeln.
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Montag, 27. Februar 2017

Der Neubau

Tag der Offenen Tür.
Der neue Anbau des Gymnasiums wird eingeweiht.
Auch die Mutter ist gekommen. Denn auch sie braucht in zwei Jahren eine weiterführende Schule für DAS MÄDCHEN im Rollstuhl.
Die Schulleiterin führt durch den Neubau: Rollstuhl-Toilette, Aufzüge in allen Ebenen, barrierefreie Zugänge überall.
Die Mutter ist sehr beeindruckt.
Einer der Besucher fragt: „Wie viele Schüler im Rollstuhl haben Sie denn hier?“
„Zurzeit keine“, antwortet die Direktorin. „Aber wir hatten schon zwei: Bei dem einen hat das auch sehr gut geklappt. Bei dem anderen haben wir uns mit den Eltern darauf geeinigt, dass er doch besser woanders beschult wird.“
Das interessiert die Mutter sehr.
Sie fragt nach: „Damals war ja noch nicht alles barrierefrei hier. War das das Problem?“
„Nein“, sagt die Direktorin: „Die Einstellung hat einfach nicht gestimmt. Wenn wir hier schon so einen Umstand betreiben, dann erwarten wir schon, dass sich der Schüler auch gut benimmt. Und dankbar ist.“
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Montag, 20. Februar 2017

Neu

Die Mutter schaut sich eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung an.
Dann sitzt sie beim Leiter im Büro.
Bisher ist DAS MÄDCHEN inklusive Wege gegangen. Aber jetzt?
„Inklusion ist doch bei uns auch längst angekommen“, beruhigt sie der Leiter.
Das findet die Mutter spannend und fragt nach.
„Bisher“, sagt der Leiter, „war bei uns auch vieles getrennt. Aber jetzt haben wir etwas ganz Neues: Unsere Kantine.“
Und er erklärt. In der neuen Kantine essen die Menschen mit Behinderung nicht mehr allein.
Sie essen jetzt gemeinsam mit ihren Anleitern und den pädagogischen Kräften der Werkstatt.
Die hatten vorher eine eigene Kantine.
Der Leiter reicht der Mutter den Essensplan.
Heute gibt es Jägerschnitzel.
Ganz oben auf dem Blatt steht in großen Buchstaben:
„Inklusive Kantine“
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Montag, 13. Februar 2017

Nass oder trocken

Wie soll die Tafel gewischt werden?
Das ist Thema der Konferenz aller Lehrer der Klasse.
„Ich hasse dieses Gematsche und Gekleckere“, sagt der Mathelehrer.
Nur wenn die Tafel ordentlich nass gewischt wurde, kann DAS MÄDCHEN gut davon ablesen.
„Ich finde einen trockenen Schwamm auch völlig ausreichend“, sagt die Lateinlehrerin, „wie der nasse immer stinkt. Ekelhaft.“
Auf einer trocken abgewischten Tafel bleibt eine weiße dünne Kreideschicht übrig.
Auf ihr verschwimmen die Kontraste.
„Aber das Mädchen kann dann nicht mehr alles erkennen“, gibt die Klassenlehrerin zu bedenken.
„Wir könnten eine elektronische Tafel beantragen“, schlägt der Physiklehrer vor, „die kann man mit einem kabellosen Stift beschreiben.“
„So ein neumodischer Kram kommt mir nicht ins Haus“, ruft die Direktorin.
„Man könnte immer zweimal trocken wischen, vielleicht reicht das“, schlägt die Englisch-Lehrerin vor.
Ja, vielleicht.
„DAS MÄDCHEN kann ja auch das, was es nicht erkennt, von seiner Nachbarin abschreiben“, wirft der Gemeinschaftskundelehrer ein.
Die Diskussion dauert noch eine ganze Weile.
Die Abstimmung dann ergibt: 5:4.
Die Tafel wird in Zukunft nur trocken gewischt. Möglichst zweimal.
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Montag, 6. Februar 2017

Kopien

Alle sollen den Text lesen.
DER JUNGE bekommt ihn nicht in A 4, sondern auf A 3 größer kopiert, damit er ihn leichter lesen kann.
Aber er will ein kleines Blatt, wie alle anderen auch.
„Brauch ich nicht“, sagt er energisch und schiebt das Blatt weg.
Schnell ist eine Mitschülerin bei ihm.
„Du, kann ich das Blatt haben?“, fragt sie.
„Brauchst Du den Text auch größer?“, schaltet sich die Lehrerin ein.
„Nein“, sagt das Mädchen, „aber meine Mama! Die sagt immer zu mir:
„All die Kopien mit dieser Mini-Schrift. Bei denen kann ich Dir nicht helfen. Das schaffen meine Augen einfach nicht mehr. Ich bin doch schon über 40!“
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Montag, 30. Januar 2017

Die Spülmaschine

Lehrerkonferenz. Die Sonderpädagogin meldet sich zu Wort.
Sie bittet die Hauptschullehrer, ab sofort immer ihre schmutzigen Kaffeetassen und Becher im Lehrerzimmer neben der Geschirrspülmaschine stehen zu lassen. Künftig werde sie jeden Tag mit zwei der behinderten Schüler kommen und die Maschine einräumen. Diese Kinder müssten dringend in lebenspraktischen Dingen unterrichtet werden.
Heute ist auch DAS MÄDCHEN dabei. Es ist sehr langsam und mit den Händen nicht so geschickt. Immer wieder versucht es, die Becher so in die Maschine zu räumen, wie Sonderpädagogin es immer wieder erklärt: So, dass jeder Becher von zwei Gitterstangen gehalten wird, und alle Abstand voneinander haben.
Doch das klappt nicht wirklich. Das Mädchen wird immer verzweifelter. Die Sonderpädagogin erklärt es noch einmal.
Eine Lehrerin, die gerade Klassenarbeiten korrigiert, hört das Ganze mit an. Sie kann sich nicht mehr gut konzentrieren.
In der nächsten Pause trifft sie das Mädchen auf dem Gang. Sie nimmt es kurz zur Seite und sagt leise zu ihm:
 „Weißt Du was -  ich stell‘ das Geschirr zu Hause oft auch einfach kreuz und quer in die Spülmaschine…“
Das Mädchen lacht.
Es klingt ein bisschen verlegen. Und ein bisschen erleichtert.
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Montag, 23. Januar 2017

Müde

Die Mutter DES JUNGEN wurde eingeladen.
Sie erzählt in einer Gruppe von angehenden Sonderpädagogen über Inklusion in der allgemeinen Schule
Einige haben Bedenken. Sie befürchten, dass die Kinder mit Behinderung dort überfordert sind.
Eine junge Frau meldet sich.
Sie unterrichtet gerade zum ersten Mal „draußen“, wie sie sagt.
„Ich habe da ein Mädchen“, berichtet sie,  „das ist manchmal in der 6. Stunde so müde, dass es einschläft. Ich bin dann immer ganz verzweifelt. Was soll ich dann bloß machen?“
„Och“, wirft ein anderer ein, „das habe ich in meiner Sonderschulklasse auch immer mal wieder!“
Die Mutter fragt: „Und was machen Sie dann?“
„Na, ich lass sie schlafen!“, sagt er.
Nach kurzer Diskussion finden alle:
Das ist eine gute Idee! Wer ab und zu so müde ist, dass ihm die Augen zufallen, der soll schlafen dürfen.
Egal in welcher Schule.
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Montag, 16. Januar 2017

Der Elternabend

„Das wäre doch schön“, sagt ein Vater beim Elternabend, „wenn sich die Inklusionseltern einmal vorstellen.“
Stille.
Niemand meldet sich.
Nicht der Vater, der von Geburt an nur eine Niere hat.
Auch nicht die Mutter, die seit langem schon in psychiatrischer Behandlung ist.
Auch nicht der Vater, der inzwischen mit einem anderen Vater zusammenlebt.
Und auch nicht die Mutter des Kindes, das nach der Trennung der Eltern wieder jede Nacht ins Bett macht.
Und auch nicht die Eltern des Jungen, der schon mit drei Jahren fließend lesen konnte.
Und auch nicht die Mutter DES MÄDCHENS.
Schließlich einigt man sich.
Alle Eltern stellen sich einmal kurz vor.
Und jeder erzählt über sich und seine Familie, was er möchte.
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Montag, 9. Januar 2017

Mitmachen

Musikunterricht in der Grundschule. Alle sitzen im Kreis. Auch DAS MÄDCHEN.
Dicht neben ihr sitzt die Schulbegleiterin.
Alle klatschen. Das Mädchen klatscht nicht mit.
Da nimmt die Schulbegleiterin ihre Hände und klatscht sie immer wieder zusammen.
Alle nehmen die Klanghölzer und schlagen sie im Takt.
Das Mädchen hat die Hölzer auf dem Schoß liegen.
Die Schulbegleiterin klappert mit ihren Hölzern direkt vor ihr und schaut sie dabei aufmunternd an.
Das Mädchen hält sich die Ohren zu.
Alle singen. Das Mädchen singt nicht mit.
Die Schulbegleiterin neben ihr singt besonders laut und deutlich.
Das Mädchen weint.
Nun kommt die Lehrerin auf sie zu.
„Lassen Sie nur“, stoppt die Schulbegleiterin sie, „das Kind braucht eine Auszeit.“
Sie nimmt das Mädchen an die Hand und geht mit ihr nach draußen.
In der nächsten Musikstunde ist die Schulbegleiterin krank.
Das Mädchen sitzt im Kreis.
Es klatscht nicht, es klopft nicht, es singt nicht.
Es hört einfach nur zu.
Die Lehrerin lächelt manchmal, wenn sie zu ihr hinschaut.
Ganz am Ende der Stunde geht das Mädchen zur Musikinstrumentenkiste und holt sich eine Triangel.
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Montag, 2. Januar 2017

Die Streithühner

Den ganzen Morgen haben sie sich schon gestritten.
Schulfreundin 1 und Schulfreundin 2 DES JUNGEN.
Richtige Streithühner sind sie heute.
Sie lassen sich von niemandem von ihrem Streit abbringen.
Eines der Mädchen muss sogar weinen.
Der Junge beobachtet alles ganz genau.
Nun sind Schule und Hort zu ende. Die Mädchen sind immer noch verkracht.
Der Junge wird von seiner Mutter abgeholt.
Er läuft schon auf sie zu, als auch seine Freundinnen aus der Tür kommen:
Erst die eine, dann die andere.
Da kehrt der Junge noch einmal um.
Er geht zu seiner Freundin 1, nimmt sie an die Hand und bringt sie zu Freundin 2.
Lange, mit vielen Worten und mit Händen und Füßen, redet er auf beide ein.
Als die Mutter näher kommt, schickt er sie weg.
Die Mutter soll nicht zuhören.
Er nimmt die Hand der einen Freundin und führt sie zur Hand der anderen.
Beide Mädchen geben sich nun die Hand. Die Mutter hört sie lachen.
Da dreht sich der Junge um und läuft zu seiner Mutter.
„Jetzt nach Hause!“, sagt er sichtlich erleichtert.
Die Mutter nimmt ihn in den Arm, und beide fahren nach Hause.
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