Dienstag, 21. März 2017

Schnuppern (zum Welt-DS-Tag)

Heute ist Schnuppertag im Kindergarten.
Die Mutter ist glücklich, denn es ist eine inklusive Einrichtung.
Schon einige Kinder mit Down-Syndrom waren dort.
Fotos von ihnen hängen eingerahmt im Flur. Lachende lustige Kinder.
Auch DAS MÄDCHEN ist mit dem Down-Syndrom geboren worden.
Die Erzieherin nimmt es freundlich in Empfang. Die Mutter geht nach Hause.
Als sie mittags wieder kommt, sitzt das Mädchen mit einem Stück Knete in der Hand in einer Ecke.
Die Erzieherin schaut nicht mehr ganz so freundlich.
Sie erzählt: Das Mädchen sei ja sehr still. Sehr misstrauisch. Habe nichts mitmachen wollen. Habe um sich geschlagen, als die anderen es in den Kreis holen wollten. Habe schließlich ganz allein für sich gemalt. Allerdings nur Krickelkrackel. Und gelächelt: kein einziges Mal.
Die Mutter nickt. Sie kennt ihre Tochter schließlich gut.
„Wir haben uns hier eigentlich bei der Inklusion auf Kinder mit Down-Syndrom spezialisiert“, sagt die Erzieherin, „weil die immer so reizend sind. Aber ich spreche mal mit dem Team.  Vielleicht können wir bei Ihrer Tochter auch mal eine Ausnahme machen.“
Die Geschichte vorgelesen ...

7 Kommentare:

  1. Wie bei so vielen Berichten hier: Unfassbar.
    Und weil Kinder ohne Down Syndrom ja auch immer alle so reizend sind...... oder was.

    Meine Tischplatte hier hat schon langsam eine Delle davon, so oft ist mir hier schon bei Lesen die Kinnlade heruntergefallen.

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  2. Liebe Kirstens, ich liebe euren Blog! Aber zum WDST hätte ich mir etwas Aufmunterndes gewünscht! Unser Sohn besucht die integrative Gruppe eines Regelkindergartens und er geht gerne hin und die Erzieherinnen sind super engagiert, zb lernen sie gemeinsam mit allen Kindern die GUK-Gebärden. Sie nehmen m.E. jedes Kind an, wie es ist. Es geht auch anders!

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  3. Mich verwundert gar nichts. Es ist wie bei Autisten! Kennt man einen Autisten, kennt man eben auch EINEN Autisten! Klischees sind eines der größten Probleme. Und was ist denn zu erwarten am ersten Tag? Mich erschreckt die unprofessionelle Art von Einrichtungen, die sich Profis nennen, immer wieder! Leider kein Einzelfall. Es ist doch gerade die Aufgabe der Inklusion, das Kind für sich zu gewinnen. Der Unterschied zwischen Inklusion und Integration ist noch lange lange nicht angekommen in den Köpfen!

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  4. Unsere heutige Geschichte hat "AnitaWorks" dran erinnert, dass sie schon immer mal einen Text in ihrem Blog über "Hochglanzprospekte" schreiben wollte. Hier ist er nun: https://autismuskeepcalmandcaryon.wordpress.com/2017/03/21/hochglanzprospekte/
    Lesenwert finden wir.

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  5. Könnte "unsere" Geschichte sein:
    Unser Sohn war für zwei Kindergärten "zu behindert". Beide integrativ. Aber "soo" behindert? Das war dann doch zuviel Inklusion...

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  6. Diese Klischees begegnen mir andauernd und keines trifft auf mein Kind mit DS zu. In einem heilpädagogischen Kindergarten vor 10 Jahren war immer nur ein Kind mit DS pro Gruppe, weil sie dort eher als anstrengend empfunden wurden...Erst recht, wenn sie sich verbünden. Ansonsten super Story, die ich mir sehr gut vorstellen kann.

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  7. Die Geschichte gibt es auch hier zu lesen:
    http://www.news4teachers.de/2017/03/kolumne-der-kampf-mit-den-klischees-down-syndrom-kinder-sind-immer-so-reizend/

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Danke für Ihre Anmerkung. Wir behalten uns vor, diese hier zu veröffentlichen.