Montag, 1. Mai 2017

Anstrengend

„Hast Du Dein Mäppchen eingepackt?“, fragt die Lehrerin DAS MÄDCHEN.
Das Mädchen nickt.
„Und wo sind die Zettel mit den Rechenaufgaben für zu Hause?“
Das Mädchen macht den Ranzen noch einmal auf, wühlt und findet die Zettel, die es schon eingepackt hatte.
„Vergiss ja Deine Jacke nicht“, ermahnt die Lehrerin. „Wo ist die eigentlich?“
Das Mädchen hatte sie schon längst in den Ranzen gestopft.
Jetzt läuft es schnell aus der Klasse und nach Hause.
„Und, wie war’s heute?“, fragt die Mutter.
Das Mädchen stöhnt: „Anstrengend!“
Die Mutter zuckt ein bisschen zusammen. Ist die allgemeine Schule vielleicht doch viel zu anstrengend für das Mädchen, wie so viele gewarnt hatten?
Dann fragt sie noch einmal nach:
„Was war denn heute so anstrengend?“
„Lehrerin“, sagt das Mädchen schnell. Dann verschwindet es in seinem Zimmer und macht sich eine CD mit Kinderliedern an.

Die Geschichte vorgelesen ...

4 Kommentare:

  1. Fan des Illustrators04.05.2017, 11:49:00

    Sooo eine große Lehrerin und sooo ein kleines, eingeschüchtertes Mädchen... Der Illustrator zeigt wunderbar, wie dem Mädchen zumute ist.

    Die Lehrerin mischt sich in einen Bereich ein, für den sie gar nicht zuständig ist. Außerdem scheint sie ihrer Schülerin überhaupt nichts zuzutrauen. Wenn sie erkannt hätte, wie zuverlässig das Mädchen seine Sachen verwaltet, könnte sie ganz anders ihrer eigentlichen Verantwortung nachkommen, dem Unterrichten.
    Vielleicht gäbe es dann eine Chance, dass das Mädchen nicht nur mit der Jacke in der Tasche nach Hause kommt, sondern auch noch mit vielen Anregungen im Kopf...

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  2. Wenn das Mädchen etwas vergessen hätte, würden sicher die einen oder anderen Eltern auf die Lehrerin schimpfen, weil die bei dem anscheinend kognitiv beeinträchtigten Kind nicht aufpasst. Wie man es macht ist es verkehrt.

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    1. Fan des Illustrators05.05.2017, 22:55:00

      Bei allen anderen Schülern wird selbstverständlich davon ausgegangen, dass sie ihre Sachen einpacken und nichts vergessen. Wenn aber ein Schüler oder eine Schülerin vieles nicht so gut kann, aber gerade das gut macht, ist es sehr frustrierend, wenn es die Lehrerin nicht bemerkt, bzw. auch noch zum Ausdruck bringt, dass sie es dem Schüler oder der Schülerin gar nicht zutraut. Sehr motivierend ist das jedenfalls nicht. Wenn ein Kind die Organisation seiner Sachen tatsächlich nicht auf die Reihe bekommt, benötigt es Hilfe, entweder von Mitschülern oder einer Schulbegleitung.

      Mich beschäftigt es immer wieder, dass viele Lehrer/Lehrerinnen der allgemeinen Schule es als ihre Hauptaufgabe ansehen, sich bei Schülern mit einem differenzierten Förderplan um solche organisatorischen Dinge zu kümmern anstelle die Lernmöglichkeiten dieser Schüler in den Blick zu nehmen. Wenn diese Aufgabe allein den Sonderpädagogen überlassen wird, finde ich das sehr schade. Denn die wissen es auch nicht besser!

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  3. Meine Erfahrung ist die:egal, ob auf einer Sonderschule, einer Regelschule oder sonstwo, vieles hängt einfach von der Person der Lehrkraft ab, von ihrer Erfahrung, ihrer Sichtweise etc.Manche kümmern sich zu wenig, manche zuviel, manche sind besonders geschickt und haben meistens das richtige Gespür.Wie in anderen Berufen auch. Natürlich wünsche ich mir für mein behindertes Kind eine besonders geschickte Lehrerin. Manchmal hatten wir eine, manchmal nicht.Hilfreich ist ja auch oft ein guter Kontakt zur Lehrerin, wie eben auch sonst, wenn man ein Kind in der Schule hat.

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