Montag, 25. September 2017

Sprünge

DER JUNGE ist mit seiner großen Schwester im Schwimmbad.
Er kann sehr gut schwimmen, tauchen und springen.
Deshalb sitzt seine Schwester entspannt am Rand des Beckens.
Der Junge springt abwechselnd mit einem Mädchen vom Startblock.
Köpfer und möglichst viel spritzen – sie feuern sich gegenseitig an.
Dann öffnet das Drei-Meter-Brett. Der Junge stellt sich sofort an.
Das Mädchen traut sich nicht recht und geht zurück zu seiner Mutter, die in der Nähe sitzt.
„Kennst du den behinderten Jungen eigentlich?“, fragt die Mutter.
Die Tochter schaut sie mit großen Augen an: „Da war kein behinderter Junge!“
„Doch“, sagt die Mutter, „der mit dem besonderen Gesicht, der so komisch gesprochen hat.“
Das Mädchen guckt immer ratloser.
Die Mutter ist jetzt leicht genervt: „Nun bist du die ganze Zeit mit dem behinderten Jungen ins Wasser gesprungen! Nun sag mir doch einfach, ob du den schon vorher kanntest!“
„Ach, den meinst du“, antwortet das Mädchen, „dann sag doch gleich: Der Junge, der jetzt vom Dreier springt!“
Die Geschichte vorgelesen ...

Montag, 18. September 2017

Zu viel

Das MÄDCHEN braucht sehr viel Hilfe bei allen Alltagsdingen. Immer muss jemand bei ihm sein, auch um auf die ständigen Anfälle zu achten. Die allgemeine Schule sieht sich nicht in der Lage, das Mädchen zu unterrichten. "Nein," sagt die Schulleitung zu den Eltern, „es braucht zu viel Hilfe. Wir können ihm und den anderen Schülern nicht gleichzeitig gerecht werden."

Die Eltern argumentieren: Sie schaffen das doch auch in der Familie. Natürlich sei es anstrengend, aber man könne ja auch zusätzliche Unterstützung beantragen. Aber die Schule bleibt bei der Ablehnung.

Inzwischen besucht das Mädchen die Sonderschule schon im letzten Jahr. Heute ist Elternabend. Alle Eltern sind aufgeregt. Denn die Schule hat eine große Spende erhalten: Eine Woche Urlaub auf einer Ferieninsel: Flug und Aufenthalt - alles umsonst. Die Schulleitung hat beschlossen: Die Klasse des Mädchens darf in den Süden fliegen! Schon nächste Woche geht es los.

Am Ende des Abends nimmt die Schulleiterin die Mutter des Mädchens zur Seite.

"Leider kann Ihre Tochter nicht mitkommen", sagt sie bedauernd. "Sie braucht zu viel Hilfe. Wir können ihr und den anderen Schülern nicht gleichzeitig gerecht werden."

Die Mutter bietet an, selbst mitzukommen oder nach anderen Lösungen zu suchen. Natürlich sei es anstrengend, aber man könne ja auch zusätzliche Unterstützung beantragen. Aber die Schule bleibt bei der Ablehnung. Das Mädchen muss zuhause bleiben.

Die Geschichte vorgelesen ...


Montag, 11. September 2017

Die Fachfrau

DER JUNGE soll in den allgemeinen Kindergarten im Stadtteil gehen. Die Mutter sucht eine Unterstützungskraft. Der Kindergarten hat einen Tipp bekommen: Diese Fachfrau hätten Kollegen empfohlen.
Die Mutter ruft dort an.
„Ja“, sagt die Dame“, ich bin ausgebildete Fachkraft. Ich finde das auch ganz wichtig, dass man sich mit dem Down-Syndrom auskennt.“ Und dann erzählt sie:
Dass Kinder mit Down-Syndrom ja so musikalisch sind, und sie deshalb ganz viel mit Musik mache.
Dass sie bockig sind, aber da helfe nur strenge Konsequenz ohne Ausnahme.
Das sei auch kein Problem, denn die Menschen mit Down-Syndrom könnten ja nicht nachtragend sein, sondern seien seelisch robust und eigentlich ziemlich unkompliziert.
“Auf das sonnige Gemüt Ihres Sohnes freue ich mich schon richtig“, sagt sie zusammenfassend.
„Entschuldigung“, unterbricht die Mutter, „ich suche eigentlich jemanden, der mein Kind erst einmal kennenlernen möchte.“
„Ja, natürlich“, sagt die Dame, „das kann ich auch gerne machen. Lassen Sie uns doch nach einem Termin schauen.“
Die Mutter zögert: „Ich glaube, ich überleg es mir noch mal ...“
„Aber so eine Fachfrau wie mich finden Sie hier in der Gegend nicht leicht!“, hört sie noch die Stimme aus dem Telefon sagen. Dann beendet die Mutter das Gespräch.
Die Geschichte vorgelesen ...

Montag, 4. September 2017

Mobbing

Die Klasse des JUNGEN beschäftigt sich in einem Schulprojekt intensiv mit den Thema Mobbing.
Auch einen Film sehen sie dazu.
Den Jungen beschäftigt das Thema sehr.
Kurze Zeit später kündigt die Lehrerin an, dass bald ein neuer Junge in die Klasse kommt.
Er ist vor kurzem in den Ort gezogen.
Dann ist der Neue den ersten Tag da.
Der Junge mustert ihn genau.
Schließlich geht er zu ihm hin und sagt „Welcome!“
Dieses Wort hat er gerade im Englisch-Unterricht neu gelernt.
Dann legt ihm feierlich die Hand auf den Kopf und sagt:
„Keine Angst. Ich beschütz‘ dich!“
Die Geschichte vorgelesen ...