Montag, 2. April 2018

Gleich

Die Mutter des JUNGEN trifft ein bekanntes Elternpaar. Deren Tochter ist so alt wie der Junge und hat die gleiche Diagnose.
Sie besucht eine Sonderschule. Ihre Mutter fragt nach, ob denn der Junge an der allgemeinen Schule überhaupt  genug gefördert werde.
Die Mutter des Jungen berichtet vom detaillierten Förderplan und von den Fortschritten beim Lesen. Die andere Mutter stellt viele Fragen. Schließlich möchte sie wissen: "Da sind ja viel mehr Mitschüler ohne Behinderung als welche mit Behinderung. Vermisst dein Junge da nicht Gleichgesinnte?"
In der Klasse des Jungen gibt es tatsächlich nur noch zwei weitere Mitschüler mit Förderbedarf.
Die Mutter überlegt:
Eine ganze Reihe der Mitschüler hat genau wie ihr Sohn alle Teile von „Star Wars“ schon mehrmals gesehen.
In der Klasse teilen viele Jugendliche und auch der Klassenlehrer die Begeisterung des Jungen für den örtlichen Fußballverein. 
Fast alle Mitschüler schauen jeden Samstag „Deutschland sucht den Superstar“, schon die Xte Staffel.
Und genau wie alle anderen aus seiner Klasse lässt der Junge in der Mensa den Gemüseauflauf stehen und entscheidet sich lieber für Spagetti mit Tomatensoße.
Die Mutter des Jungen lächelt ihre Bekannte an und sagt:
"Nein, wir sind sicher, dass unser Sohn in der Schule mitten unter Gleichgesinnten ist!"


Die Geschichte vorgelesen ...

5 Kommentare:

  1. Ähnlich wie der Mutter des Jungen ging es mir auch als mein Kind von einer Sonderschule auf einer Regelschule wechselte. Die Sonderpädagogin der Sonderschule fragte mich ob ich mir mit dem Wechsel auf der Regelschule sicher sei, da es in den Medien bekannt war, dass behinderte Kinder in Regelschulen gemobbt werden und es in den Nachrichten immer wieder zu lesen und hören war“Behinderte Kinder kehren zu Sonderschulen zurück!“.Bei solch einer Frage wurde es mir richtig mulmig.Sie konnte sich nicht vorstellen, dass mein Kind Anschluss in der Regelschule finden wird. Meinem Kind geht es aber in der Regelschule sehr gut. Er hat ganz tolle Pädagogen und Klassenkollegen. Alle gehen auf seine Bedürfnisse ein.

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  2. Viele Eltern von behinderten Kindern können sich nicht vorstellen dass ihre Kinder eine Regelschule besuchen können. Durch die Politiker und Pädagogen wird ihnen in den Medien suggeriert dass behinderte Kinder NUR in Sonderschulen unterrichtet werden können,dass sie NUR DORT akzeptiert werden.Es ist dann kein Wunder, dass die Eltern, ähnlich wie die Mutter des Mädchen in der Geschichte oben, so verwundert reagieren. Solche Eltern betrachten dann ihre Kinder als "Exoten", die in einer Regelschule nichts zu suchen haben.Sie sehen ihre eigene Kinder nicht als Gleichgesinnte.

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  3. Das habe ich auch schon tausendemale gehört. "Vermisst Ihr Kind da nicht Gleichgesinnte?"
    So fragen meist die, die davon ausgehen, dass die Kategorie behindert oder nicht-behindert, das ist, was den Menschen im Wesentlichen ausmacht. Meine Tochter ist nicht unerheblich kognitiv eingeschränkt, aber ihre Persönlichkeit wird durch so viel mehr als nur durch ihren IQ bestimmt. Für all diese Facetten gibt es Menschen mit gleichem, niedrigerem und höheren IQ, die ihre Interessen und Vorlieben teilen und sich mit ihr verbunden fühlen. Wäre so schön, wenn auch mein Kind immer als individuelle Persönlichkeit gesehen würde!

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  4. Man hat leider in der Vergangenheit viel zu viel Panik in den Medien zum Thema Inklusion ausgelöst. In meinem Bekanntenkreis waren viele Eltern behinderter Kinder sehr,sehr verängstigt.Es war wie ein Wahn den Politiker und Pädagogen in den Medien ausgelöst haben. Bei den Landtagswahlen in Nordrhein Westfallen warfen sich Politiker gegenseitig vor:“Behinderte Kinder kehren zu Sonderschule zurück!“Fragen sollte man sich, wohin hätten sie den gehen sollen?Eltern behinderter Kinder machten den Wechsel auf Regelschulen weil ihre Kinder sich in Sonderschulen nicht integrieren konnten.Für die behinderte Kinder, die den Wechsel von Sonderschulen auf Regelschulen und dann wieder zurück machen mussten war es so als ob sie zuerst die Cholera gegen die Pest ausgetauscht hätten um dann wieder die Pest gegen die Cholera auszutauschen.Es war ja schließlich nicht so als ob sie eine Disney Land Paris gegen Legoland Reise ausgetauscht hätten.Sie Mussten sich mit dem zufrieden geben was sie bekommen.Da sie in Regelschulen nicht erwünscht waren kehrten sie in Sonderschulen zurück.Gab es ein anderen Rettungsweg?

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  5. Fan des Illustrators07.04.2018, 09:57:00

    Eine bunte Zeichnung!
    So bunt, wie das Leben in einer Gemeinschaft/ Klassengemeinschaft!

    Die Gesinnung zeigt sich nicht in Äußerlichkeiten, sondern in einer inneren Grundhaltung, geprägt von der Erziehung, manifestiert in Werten...

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